Derzeitige Lebensbedingungen in Guinea-Bissau
Schule
Zwei Drittel aller Kinder in Guinea-Bissau besuchen eine Schule. Das Land besitzt eine allgemeine Schulpflicht. Diese beinhaltet eine 6-jährige Grundschulbildung. Doch wegen Lehrermangel, fehlenden Schulgebäuden und der Tatsache, dass viele Kinder bereits früh zu Hause mithelfen müssen, liegt die durchschnittliche Schulzeit nur bei dreieinhalb Jahren.
In den größeren Städten gibt es auch weiterführende Schulen. Die Schulzeit beträgt 4 Jahre. Doch da beim Besuch einer weiterführenden Schule das Schulgeld steigt, können sich viele Familien dies nicht leisten. Das Land besitzt 4 Universitäten.
2015 bezifferte das CIA in seinem World Factbook die Anzahl der Analphabeten der über 15-jährigen auf 40,1 %.
Medizin
Die medizinische Lage in einem der ärmsten Länder der Welt ist denkbar schlecht. Die durchschnittliche Lebenserwartung bei Frauen liegt bei 60,2 Jahren, die der Männer bei 56,3 Jahren. 13,8 % der Kinder sterben vor dem Erreichen des ersten Lebensjahres. 22,3 %, ehe sie 5 Jahre alt sind. Damit ist die Kindersterblichkeit eine der höchsten der Welt.
Auf 1000 Einwohner kamen 2009 nach Angaben der WHO 0,1 Ärzte. Viele Menschen sterben an Malaria, Magendarminfektionen, Atemwegserkrankungen oder den Folgen des HI-Virus.
Neben ausgebildetem Fachpersonal fehlt es in dem Land nicht nur an medizinischer Ausrüstung. Das marode Wassernetz und auch der fehlende Strom erschweren die Arbeit der wenigen Ärzte. In der Stadt Gabú werden seit 10 Jahren keine operativen Eingriffe mehr vorgenommen.
Wasser
Trotz der niederschlagsreichen Regenzeit fehlt es während der Trockenzeit vor allem in den küstennahen Gebieten an Trinkwasser. Die Brunnen versiegen und die Wasserqualität der kleineren Seen ist mangelhaft. Insgesamt hatten 2000 laut WHO und UNICEF nur 40,3 % der städtischen Bevölkerung Zugang zu sauberem Trinkwasser. Und das, obwohl es in dem kleinen Staat viel mehr erneuerbare Wasserreserven gibt. 2014, betrug laut der World Bank Group die Frischwasserreserve 9.271 Kubikmeter pro Kopf. 2006 wurden gemäß der Bundeszentrale für politische Bildung nur 0,6 % der Süßwasserressourcen entnommen.
Schuld an dem Wassermangel sind unter anderem die handlungsunfähige Regierung, die marode Infrastruktur und der Klimawandel. Aber auch die Abholzung der Regenwälder befeuert die Wasserknappheit. Wegen der fehlenden Vegetation kommt es immer wieder zu einer starken Bodenerosion, in deren Folge die Böden abgetragen werden und der Regen nicht mehr in den erodierten Böden versickern kann. Das Ergebnis ist ein sinkender Grundwasserspiegel.
ErnäHrung
Die Grundnahrungsmittel der Menschen Guinea-Bissaus sind Reis an der Küste und Hirse im Landesinneren. Der Reis stammt entweder von den eigenen Plantagen oder wird aus Thailand importiert. Des Weiteren werden auch noch Yams, Süßkartoffeln, Maniok, Tomaten, Zwiebeln und Schwarzaugenbohnen verkocht. In den Küstenregionen werden zudem Fisch und Muscheln verarbeitet. Gelegentlich wird auch mit Rindfleisch, Ziegenfleisch oder Hühnchen gekocht. Selbst Affen- oder Antilopenfleisch kommt manchmal auf den Tisch. Ergänzt wird das Essen durch tropische Früchte und Nüsse, wie Bananen, Papayas, Mangos, Orangen, Grapefruits und Erdnüsse sowie Cashewnüsse, Bambara-Erdnüsse und Erdbohnen. Zusätzlich werden Milch und Milchprodukte, wie Quark und Molke verarbeitet. Gewürzt wird mit Pfeffer, Chili und Guineapfeffer. Ein beliebtes Gericht ist Yassa, ein Reisgericht mit Fleisch oder Fisch, gewürzt mit Zwiebeln und Zitronen. Getrunken wird gerne süßer grüner Tee, der „Warga“ heißt. Aber auch Palmwein oder Wein aus Cashewnüssen ist weit verbreitet.
GEOGRAPHIE
Guinea-Bissau liegt zwischen dem 13° und 17° westlicher Länge und dem 11° und 12° nördlicher Breite im Westen von Westafrika und Oberguinea. Im Norden grenzt es an Senegal im Osten an Guinea. Von der Gesamtfläche von 36.125 km² entfallen 28.120 km² auf das Land, die restlichen 8005 km² sind Wasserfläche (vgl. goruma). Mit dieser Größe entspricht das Land ungefähr 76 % der Größe Niedersachsens. Mit nur 70 m über NN liegt der Staat sehr tief. Die höchste Erhebung ist mit 262 Meter der Berg Madina do Boé. An das flache Landesinnere grenzt ein durch Abrasion stark zergliederter Küstenstreifen mit Sumpflandschaften an.
Die bedeutendsten Flüsse des Landes sind der Río Gêba, Río Cacheu und Río Corubal. Der Küstenlinie vorgelagert liegt der Bissagos-Archipel, zu dem insgesamt 88 Inseln gehören. Die wichtigsten sind Ilha de Orango, Caravela, Bubaque, Roxa, Bolama, Uno und Formosa. Durch seine Lage zählt Guinea-Bissau zu den Randtropen, mit einer ausgeprägten Regen- und Trockenzeit.
Die Tageshöchsttemperaturen liegen im Schnitt, je nach Jahreszeit, zwischen 30 und 36 °C. Allgemein weist der Staat geringe jahreszeitliche Temperaturschwankungen auf. Die Regenzeit dauert von Mai bis November, die Hauptregenmonate sind Juli und August. Insgesamt Zeit fallen im Süden bis zu 3.000 mm Niederschlag/ Jahr, im Norden sind es rund 1.200 mm jährlich.
In den Küstenregionen wachsen Mangroven, Sumpfwälder und Ölpalmen. Diesen schließen sich immergrüne Regenwälder an. Im Osten Guinea-Bissaus gibt es eine Feuchtsavanne mit spärlichem Baumbestand und Buschwerk. An den Flüssen und in den Sumpfregionen der Küstenebene leben Krokodile, Flusspferde, aber auch Pelikane oder Flamingos. Die Regenwälder sind die Heimat der Schuppentiere, Meerkatzen, Halbaffen und Ginsterkatzen. In den Feuchtsavannen ist der Tierbestand jedoch stark dezimiert. Vereinzelt sind noch Antilopen, Elefanten, Büffel oder Leoparden zu beobachten.
Geschichte
Von der Frühgeschichte des Landes ist wenig bekannt. Vermutlich wurde das Land aber schon in der Steinzeit von Jägern und Sammlern besiedelt. Seit dem 13. Jahrhundert war Guinea-Bissau unter dem Namen Kaabu als eine Provinz des Mali-Reiches bekannt. Nach dessen Zerfall blieb Kaabu erhalten und wurde 1537 ein eigenes Königreich der Mandinka mit der Hauptstadt Gabú.
Bereits 1456 bereiste der portugiesische Sklavenhändler Nuño Tristão das Land. 1687 errichteten die Portugiesen in der heutigen Hauptstadt Bissau eine Niederlassung, um von dort ihren Sklaven- und Goldhandel zu betreiben. Bis 1879 bildete das Gebiet mit den Kapverdischen Inseln eine Verwaltungseinheit, ehe es danach eine eigene Kolonie wurde. Der Kampf der einheimischen Bevölkerung gegen die Kolonialmacht hielt bis 1915 an. Erst da gelang den Portugiesen die völlige Unterwerfung des Landes.
1951 wurde das damalige Portugiesisch-Guinea zu einer Überseeprovinz und erlangte dadurch eine gewisse Selbstverwaltung. Die Einwohner konnten ab diesem Zeitpunkt portugiesische Staatsbürger werden. Vorausgesetzt sie verzichteten auf ihre eigene Kultur, sprachen fortan nur noch Portugiesisch und konvertierten zum katholischen Glauben. Doch nur die Allerwenigsten folgten diesem Ruf, sodass 1961 die Regelung wieder abgeschafft wurde. Da sich Portugal weigerte, der Überseeprovinz ihre Unabhängigkeit zu geben, kam es 1963 zu einem Guerillakrieg gegen die Kolonialherren. Ihr Anführer war Amílcar Cabral. 1973 wurde schließlich Guinea-Bissaus Unabhängigkeit erklärt. Doch es dauert noch bis zum 10. September 1974, ehe Portugal diese anerkannte.
Seit der Unabhängigkeit kam das Land nicht mehr zur Ruhe. Die Zeiten sind geprägt von Machtkämpfen und häufigen Regierungswechseln. Eine kurze demokratische Phase endete im Augst 2015 mit der plötzlichen Entlassung des Premierministers Pereira. Seitdem stecken die staatlichen Verfassungsorganen in einer politischen Krise und blockieren sich in ihrer Arbeit gegenseitig. Die Entwicklung und der Aufbau des Landes sind somit zum Erliegen gekommen.
Seit 1998, bereits vor dem Scheitern des Staates, liegt die bilaterale Entwicklungszusammenarbeit auf Eis. Dennoch bemühen sich Deutschland und andere Institutionen der EU, internationale Organisationen und bilaterale Partner das Land politisch zu stabilisieren und wirtschaftlich zu fördern.
Ökonomie
Die wesentliche Wirtschaftsleistung, das Bruttoinlandsprodukt lag 2020 weltweit bei 9.548 Euro pro Kopf. Das BIP Guinea-Bissaus rangierte dagegen bei 637 Euro pro Kopf, beziehungsweise bei 1,25 Mrd. Euro im ganzen Land.
Die Inflationsrate betrug 2019 0,25 %. Innerhalb der EU lag der Durchschnitt im gleichen Zeitraum bei 0,50 %. Verglichen mit Deutschland sind die Preise des täglichen Bedarfs etwa 57,51 % niedriger. Die prozentuale Staatsverschuldung erreichte 2020 laut der Weltbank 65,9 %. Für 2021 wurde eine Verbesserung um 5 % prognostiziert, dank des weltweiten Exports von Cashewnüssen. Mit 85 % der Exporterlöse spielen diese die wichtigste Rolle beim internationalen Handel. Die weltweit größten Exportpartner waren laut Statista 2019 Indien mit 50 %, Belgien mit 28 % und die Elfenbeinküste mit 8 %.
Ein besonderes Problem ist die Außenhandelswirtschaft, mit der das Land regelmäßig Defizite erwirtschaftet. Das liegt an den hohen Importausgaben für beispielsweise teure Maschinen. Zu den wichtigsten Importländern gehören Portugal (31 %), Senegal (20 %) und China (10 %).
Quellen:
Aktion Deutschland Hilft. Bündnis deutscher Hilfsorganisation: Guinea-Bissau; URL: https://www.aktion-deutschland-hilft.de/de/fachthemen/afrika/guinea-bissau/ (zuletzt aufgreufen am: 28.01.2022)
Goruma: Guinea-Bissau: Geografie, Landkarte; URL: https://www.goruma.de/laender/afrika/guinea-bissau/landkarte-geografie (zuletzt aufgreufen am: 28.01.2022)
United Nations Development Programme. Human Development Reports: Guinea-Bissau, Human Development Indicators; URL: http://hdr.undp.org/en/countries/profiles/GNB (zuletzt aufgreufen am: 28.01.2022)